Dokumentation: Scholz-Statement bei ‚Koalition der Willigen‘ in Paris
Zur Dokumentation: Nach dem von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron initiierten erneuten Treffen einer Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine in Paris hat sich auch der amtierende Bundeskanzler Olaf Scholz geäußert. Spoiler: Die Frage, ob eine mögliche Absicherung eines Waffenstillstands in der Ukraine auch deutsche Truppen bedeuten könnte, ließ er offen.
Scholz Aussage in Paris am (heutigen) Donnerstag im Wortlaut:
Scholz: Das ist nun das sechste Treffen in sehr kurzer Zeit gewesen, in dem wir uns in Europa über die Europäische Union hinaus miteinander koordinieren. Das ist sehr wichtig, weil es darum geht, wie wir Frieden und Sicherheit auf unserem Kontinent gewährleisten können und insbesondere die Ukraine unterstützen. Das ist auch das wichtigste gemeinsame Ergebnis unserer Beratungen. Alle Staaten, die hier versammelt waren, sind sich darin einig, dass die Ukraine weiterhin unsere Unterstützung braucht und auch bekommen wird.
Zuallererst bedeutet das, dass das Angebot des ukrainischen Präsidenten für einen Waffenstillstand angenommen wird. Wir haben gesehen, wie die Verhandlungen bisher zugegangen sind und dass Russland hinterher immer noch etwas nachgeschoben hat. Dem kann man sehr klar entnehmen, dass Russland aktuell nicht an einem wirklichen Frieden interessiert ist. Umso wichtiger ist es, dass wir darauf bestehen, dass ein Waffenstillstand zustande kommt, dass er möglich ist und dass er damit verbunden ist, dass Angriffe zum Beispiel auf die Infrastruktur sofort eingestellt werden, sodass daraus dann mehr Möglichkeiten für eine gute Zukunft für die Ukraine entstehen können, insbesondere für einen fairen und angemessenen Frieden.
Uns ist auch wichtig, dass das Stoppen von Sanktionen in dieser Zeit ein schwerer Fehler wäre. Die Sanktionen müssen fortgeführt werden. Sie werden auch weiterzuentwickeln sein. Europa und die USA müssen dabei gemeinsam einen klaren Standpunkt vertreten, damit wir diese Möglichkeit der Unterstützung der Ukraine auch weiterhin nutzen können. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, die Sanktionen zu beenden, solange der Frieden nicht tatsächlich erreicht ist, und davon sind wir leider noch entfernt, und zwar ziemlich weit, wie man erkennen kann.
Wir haben darüber hinaus darüber gesprochen, wie wir sicherstellen können, dass die Ukraine in diesem Krieg jetzt nicht allein bleibt. Das heißt, es geht darum, die militärische Unterstützung für die Ukraine weiter auszubauen. Deutschland ist dabei in den letzten Jahren in Europa führend gewesen und wird es auch bleiben. Nach der Verfassungsänderung, die wir im Deutschen Bundestag beschlossen haben, und den neuen Handlungsmöglichkeiten, die daraus erwachsen, haben wir unsere Unterstützung für dieses Jahr auf über sieben Milliarden Euro ausgeweitet. Wir werden auch in den nächsten Jahren mit weiteren Mitteln bereitstehen, um die Ukraine mit Waffen ausstatten zu können, sodass sie sich verteidigen kann. Das ist das, was jetzt erst einmal unmittelbar wichtig ist.
Bei den Gesprächen über Frieden geht es natürlich auch um die Frage, wie man den Frieden sichern kann. Im Mittelpunkt dessen, wie das gelingen kann, muss immer eine starke ukrainische Armee stehen, die wir entsprechend ausstatten. Diese Diskussion hat begonnen und ist für uns von größter Wichtigkeit, weil es darauf letztendlich ankommen wird, wenn man Frieden gewährleisten kann. Das kann nur durch Stärke gelingen, durch eine starke ukrainische Armee, aber eben auch durch Stärke der Mitgliedstaaten der NATO und der Europäischen Union. Wir werden mit den Möglichkeiten, die wir jetzt haben, alle unsere Anstrengungen ausweiten, unsere eigene Verteidigungsfähigkeit zu verbessern. Auch das gehört zu den Dingen, die unmittelbar verstanden werden müssen. Dies ist ja eine Zusammenkunft von Staaten gewesen, die alle gemeinsam verstehen, dass man nur durch eigene Stärke sicherstellen kann, dass der Frieden in Europa gewährleistet ist. Das ist die Basis dafür, dass man dann auch gut und stark ist, wenn es um diplomatische Erfolge geht.
In dem Sinne war es eine gute Fortsetzung vieler Gespräche, ein wichtiges Treffen. Wir sind in Europa geschlossen und geeint. Das ist die wichtigste Botschaft.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben im letzten Teil über Friedenssicherung gesprochen. Halten Sie die Entsendung von deutschen Bodentruppen für gänzlich ausgeschlossen?
Scholz: Jetzt geht es erst einmal darum, das Naheliegende zu tun. Das ist erst einmal, die Ukraine weiter unmittelbar zu unterstützen. Dabei hat Deutschland ja nun gerade wegen des Umfangs unserer Unterstützung eine führende Position in Europa inne und wird sie auch beibehalten. Es geht darum, dass wir sehr klar darin sind, dass die Sanktionen jetzt nicht aufgehoben werden, dass wir darauf bestehen, dass Russland nicht immer wieder neue Ausflüchte sucht, und dass wir uns darum bemühen, dass die Ukraine eine starke Armee haben wird, auch in Friedenszeiten, um einen Angriff zu vermeiden.
Alle anderen Diskussionen muss man jetzt auch führen, aber man muss auch sehr klar darin sein, dass das eben eine Debatte zu einer Zeit ist, zu der noch nicht einmal sicher ist, ob es solche geben wird und wird geben können und welcher Art sie sind, ob es sich um internationale Truppen oder um die anderer Länder handelt. Insofern konzentrieren wir uns auf das, was jetzt naheliegend ist, und das ist eben das, was ich hier gesagt habe.
Frage: Herr Bundeskanzler, Macron hat kurz vorher noch mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Ich nehme an, er hat Ihnen vielleicht auch davon berichtet. Wie schätzen Sie denn die Aussichten dafür ein, dass die USA in irgendeiner Form Sicherheitsgarantien leisten werden?
Scholz: Es ist ganz klar, dass alles, was wir für die Zukunft vereinbaren, auch so sein sollte, dass die USA dabei sind. Dazu gehört eben auch, dass sie sich mit uns gemeinsam für die Sicherheit der Ukraine und für Frieden und Sicherheit in Europa verantwortlich fühlen. Deshalb sind wir ja auch in der NATO. Es ist auch klar, dass es ganz zentral ist, dass es solche amerikanischen Sicherheitsgarantien gibt. – Schönen Dank!
Wofür war die UNO nochmal da? Wenn man sie nicht mal mehr dafür brauchen kann, dann kann man sie auch gleich auflösen.
Wichtig
Wiegold: Die Frage, ob eine mögliche Absicherung eines Waffenstillstands in der Ukraine auch deutsche Truppen bedeuten könnte, ließ er offen.
Scholz: Schönen Dank!
Alles dazwischen nennt sich #scholzen.
Gut, dass es demnächst vorbei ist.
Hoffentlich haben er und der IBuK den GI zur Entwicklung von Contingency Planning angewiesen, es müssen Handlungsoptionen bereitliegen, Truppenteile „geearmarked“,
die Streitkräfte vorbereitet sein.
Gerade die letzte Antwort von Herrn Scholz betont noch einmal, ohne die USA läuft nichts. Auch wenn GB und FR vorpreschen, ich denke, eine zweite Hillary Clinton wird es in den USA nicht geben. Dazu haben die USA zu viele zu andere Interessen. Außerdem habe ich den deutlichen Eindruck, die Herren Starmer und Macron lenken sich von ihren innenpolitischen Problemen ab. Der Rückhalt für die zumindest verbal sehr forsche Politik ist im eigenen Land wohl nicht so überwältigend.
Ich habe noch kein Statement aus polnischer Sicht gelesen. Wie sehen die die „Koalition der Willigen“?
Viel interessanter finde ich ja die Entsendung britischer und französischer Truppen als „Vorabkommando“
https://www.youtube.com/watch?v=t-1fjXmUAQk
@Grundwehrdienst
Wohl für „Ausbildung“ – fragt sich, in was.
@KPK
Keine Arme, keine Kekse – die Bw bekommt ja nicht einmal die PzBrig 45 zeitnah gebacken. Welche Kräfte sollten denn für die UKR gestellt werden ? Verlagerung SP vom Baltikum in die UKR ? Selenskyj hat ja auch ausdrücklich „Kampftruppen“ angefordert / erbeten.
darf man mal die Frage stellen nach dem ökonomischen Sinn hinter dem Gedanken, europäische Truppen in der Ukraine zu stationieren ? Mit moralischer Verpflichtung und Beistandsfloskeln muss mir jetzt bitte niemand kommen.
Haben wir dort irgendwelche Kapazitäten und Ressourcen die wir vor einer russischen Eigentumsübertragung schützen müssen ? Oder geht es mehr darum amerikanische Kraftwerke, Böden , Explorationsflächen und Techstandorte vor dem Zugriff des Kreml zu bewahren; also ein Cold-War-Szenario-2.0 nur mit weiter nach Osten verschobener Zonengrenze ? Und diesmal voll auf unsere Kosten und unser Risiko und ohne die Aussicht auf Unterstützung durch den großen Profiteur in Washington ?
Man sollte sie vielleicht mal wieder an ihre Sicherheitsgarantien aus dem Budapester Memorandum (doch, ist rechtlich bindend auch wenn nur ‚Memorandum‘ drauf steht) erinnern, vielleicht sind gewisse Kreise dann eher bereit ihre Investments militärisch selbst zu schützen. In Afghanistan und dem Irak waren sie doch auch nicht so knauserig, dort sind sie am Ende auch mit leeren Taschen nach Hause gefahren.
Oder wir bekommen bevorzugten Zugriff auf die Ressourcen und Kapazitäten der Ukraine – dann wäre manches denkbar, ich fürchte allerdings wir sind da etwas spät dran.
Aber eigene Truppen lehne ich trotzdem ab, besser wäre es in Lateinamerika mal vorzufühlen, vielleicht auch in Mexiko und Venezuela – so als kleiner Denkanstoß Richtung POTUS.
Reporter: Wie sehr kann man im dunklen Wald pfeifen?
Scholz: Ja.
Diese Wunschvorstellung einer stets verlässlichen und fürsorglichen USA ist ja gut uns schön. Sie hat indessen wenig zu tun mit den Realitäten von 2025. Sollen diese Töne also notdürftig und vermeintlich öffentlichkeitswirksam die Zerwürfnisse kaschieren? So wirklich Realpolitik ist das ja nicht, wenn die Bestrebungen u.a. zur militärischen Autonomie weiterhin auf diesem Niveau verbleiben. Wo bleibt die europäische Vision? Die Latten müssen deutlich höher, sich dem amerikanischen Limbo nach unten anzupassen, ist nicht ratsam.
Ich weiß nicht, warum Interviews mit Herrn Scholz es zum jetzigen Zeitpunkt noch schaffen, in die Nachrichten zu kommen, Herr Wiegold. Scholz ist schon, als er theoretisch noch handlungsfähig war, bloß durch „scholzen“ (große Reden schwingen, aber beim danach Handeln zögern, zaudern und bremsen) aufgefallen. Und jetzt ist er eine mehr als lahme Ente, die die Richtlinien der Politik nicht mehr bestimmt und in ein paar Wochen Rentner ist..
Ein Beitrag über die Äußerungen von Macron wäre sinnvoller gewesen. Der ist keine lahme Ente und hat jüngst, verbunden mit einem Waffenpakt inklusive weitere Mirage 2000 und Luft-Luft-Raketen, im Wesentlichen gesagt: Europa sollte nicht die Waffenstillstandslinie absichern (peace force), sondern im Rückraum mit Luftstreitkräften und Fliegerabwehr absichern (reassurance force).. Was realistischer ist. Und wo Deutschland sich nicht entziehen können wird, sollte es eintreten. Das halte ich für deutlich nachrichtenswerter.
[Ich habe als Dokumentation die Aussagen des amtierenden deutschen Bundeskanzlers hier eingestellt. Das mag Ihnen nicht gefallen oder nicht passen, aber Sie müssen es ja nicht mal zur Kenntnis nehmen. T.W.]
@ant65: Die Relevanz liegt natürlich neben den offensichtlich politischen Gründen in den wirtschaftlichen und rohstoffbezogenen Ressourcen der Ukraine.
Ich denke, man kann recht einfach feststellen, dass Trump nichts tut, ohne dass Amerika davon vor allen anderen wirtschaftlich oder in sonstiger Hinsicht profitiert. Das war früher auch nicht grundlegend anders, wurde aber sehr viel subtiler und ohne übers-Knie-brechen der „instant gratification“ gehandhabt. Früher hatte man Zeit für Beziehungspflege und ein Abwarten, die wirtschaftliche Nutzung durch Geltendmachen des Einflusses war immer nachgelagert. Trump hingegen muss immer sofort den Pokal in die Höhe halten und sich feiern.
ant65 sagt:
27.03.2025 um 23:03 Uhr
„darf man mal die Frage stellen nach dem ökonomischen Sinn hinter dem Gedanken, europäische Truppen in der Ukraine zu stationieren ? Mit moralischer Verpflichtung und Beistandsfloskeln muss mir jetzt bitte niemand kommen.
Haben wir dort irgendwelche Kapazitäten und Ressourcen die wir vor einer russischen Eigentumsübertragung schützen müssen ? Oder geht es mehr darum amerikanische Kraftwerke, Böden , Explorationsflächen und Techstandorte vor dem Zugriff des Kreml zu bewahren; also ein Cold-War-Szenario-2.0 nur mit weiter nach Osten verschobener Zonengrenze ? Und diesmal voll auf unsere Kosten und unser Risiko und ohne die Aussicht auf Unterstützung durch den großen Profiteur in Washington ?[…]“
Wenn Sie den ökonomischen Sinn suchen – weil Ihnen die moralischen, humanen usw. nicht reichen:
Sollte ein Frieden eintreten der nicht abgesichert wird, dann wird die russische Armee früher oder später wieder vorrücken.
Jetzt sagen Sie vermutlich „das ist ja für uns egal“ – also ökonomisch betrachtet. Nur, das ist es nicht.
Das Ganze wird eine Flüchtlingswelle auslösen gegen die, die bisherigen aussehen wie ein Kindergeburtstag. Bedeutet eine wirtschaftliche und politische Belastung die unsere Gesellschaft nachhaltig schädigen wird.
Was übrigens genau Putins Interesse ist.
@golfecho83: Leider sind die Wähler der Putin Parteien völlig blind, obwohl uns Putin systematisch Flüchtlinge über Russland & Weißrussland schickt und wenn die Ukraine fällt, müssen wir Millionen von weiteren Flüchtlingen aufnehmen, wofür wir keine Wohnungen haben. Dagegen ist das Geld für Waffen an die Ukraine mehr als billig. Leider trägt Scholz einen Großteil der Schuld, weil er Taurus & Kampfflugzeuge nicht geliefert hat, die 3 Milliarden Euro um Monate verzögert hat, statt der Bevölkerung zu erklären, wie gefährlich ein russischer Sieg ist. Sein Minsk 3 oder Patt Plan ist furchtbar gescheitert. Auch die Zeitenwende hat er großteils verschlafen & es versäumt, die Personalgewinnung für die Streitkräfte & ein Not- Bauprogramm für neue Kasernen in den Mittelpunkt seiner Politik zu stellen. Stattdessen hat er die gewaltigen Personalprobleme der Bundeswehr verniedlicht. Die Wehrpflicht konnte er wegen der FDP nicht einführen, aber eine Musterungspflicht hätte er durchdrücken können oder Anwerbebüros in ganz Deutschland.
Ein typisches Scholz-BlaBla-Statement. Es wäre auch sehr verwunderlich gewesen, wenn der Bald- Rentner etwas anderes präsentiert hätte.
Aber was der noch BK sagt hat sowieso eine sehr überschaubare Halbwertzeit. Anständig wäre es gewesen, den potenziellen Nachfolger mitzunehmen und umfangreich zu beteiligen. Hat der Noch-BK vielleicht „vergessen“.
Daher ist es viel spannender, wie sich die zukünftige BR positioniert.
Auf die Unterstützung der USA kann man ja grundsätzlich setzen, aber ich bin sicher, dass dies zumindest in den nächsten Jahren eher wenig erfolgreich sein wird, es sei denn es bringt Herrn Trump kurzfristig einen „good deal“ ein.
Eine Frage an die Völkerrechtsprofis hier im Thread: Wie wäre es tatsächlich völkerrechtlich zu bewerten, wenn die EU auf Bitten der Ukraine eine zivile Firma (á la Blackwater) beauftragen würde z.B. die Sicherheit des Luftraums in der Westukraine sicherzustellen?
Wie der Kreml das bewerten würde ist klar, deshalb frage ich nach der tatsächlichen Bewertung.
Zitat:“Spoiler: Die Frage, ob eine mögliche Absicherung eines Waffenstillstands in der Ukraine auch deutsche Truppen bedeuten könnte, ließ er offen.“
Ich würde es auch für unangemessen halten, wenn ein nur noch geschäftsführender Kanzler, in einer so wichtigen Frage mit so weitreichenden Konsequenzen, irgendwelche Versprechungen machen würde, die sein Nachfolger dann irgendwie erfüllen oder zurücknehmen müsste.
Ein „irgendwie erfüllen“ erscheint mir aufgrund der Personal- und Ausrüstungssituation schwierig bis unmöglich. Und ein Zurücknehmen von Versprechungen würde dem Ansehen unseres Staates Schaden zufügen.
Herr Merz, der ja um jeden Preis Kanzler werden will, wird diese Frage beantworten müssen, sobald er denn Kanzler ist.
Der Drops ist gelutscht. Die UKR wird von den USA am langen Arm verhungern gelassen. Europa hat nix ausser wohlwollenden Worten u. 1 Million UKR wehrfähigen Männer Asyl gewährt. So wird das das alles nix.
@GolfEcho83
Zitat:“Wenn Sie den ökonomischen Sinn suchen – weil Ihnen die moralischen, humanen usw. nicht reichen“
Nun Donald Trump interessiert sich ausschließlich für den „ökonomoischen Sinn“. Einen Sinn für humanitäre und moralische Argumente hat der jedenfalls nicht.
Auch wenn man, so wie ant65, nicht nach edleren Motiven strebt, so hat er dennoch valide Argumente. Uns, den EU-ropäern bleiben in der Ukraine nur die Krümel, während sich die USA den Kuchen ganz einverlaiben. Dafür sollen wir, sprich: unsere Truppen, aber alle Risiken und wir alle Lasten tragen.
Wir erhalten dafür auch keine anders geartete Kompensation. Es wird eher das Gegenteil eintreten, wenn die USA entsprechend des als ‚Mar-a-Largo Accord‘ bekannten Planes handeln.
Schon jetzt hat es sich doch gezeigt, dass wir nicht geichzeitig unsere Bundeswehr wiederaufbauen können und die Ukraine unterstützen können. Als Konsequenz unseres aktuellen sowohl-als-auch werden wir nicht schnell genug „kriegstüchtig“ und die Ukraine verliert trotzdem.
Zitat:“Sollte ein Frieden eintreten der nicht abgesichert wird, dann wird die russische Armee früher oder später wieder vorrücken.“
Das mag sein. Aber auch dann wird die russische Armee nicht schneller vorrücken als sie das jetzt auch kann. Es würden also viele Jahre vergehen, bevor russische Truppen die Staatsgrenzen zu Polen oder zu Rumänien erreichen könnten. Die Frage ist aber doch auch warum die russische Armee überhaupt vorrücken sollte?
Dieser Krieg war für Russland in Menschen und Material sehr teuer. Ohne einen sehr guten Grund wird niemand in der russischen Regierung einen weiteren Krieg vom Zaun brechen wollen. Angsichts der rapide fortschreitenden technischen Entwicklungen wird es auch schwierig einen solchen Krieg zu planen.
Ich fänds ja immernoch ein Husarenstück wenn wir einfach alles was wir in Europa haben zusammenkratzen für 2 Jahre in die Ukraine stellen und sobald US Rohstoffkonzerne ein paar 100 Mio. Dollar in die Infrastruktur ihrer Förderanlagen gesteckt haben – sagen Ciao Kakao, wir haben hier keine Interessen mehr. Ich glaube so eine schnelle Kontingentsablösung von europäischen durch amerikanischen Truppen hat es in der Geschichte noch nicht gegeben ;)
Scholz hat ja nicht nur seine Meinung verbreitet, sondern auch den gemeinsamen Standpunkt der „Koalition der Willigen“ dargelegt.
Ja, die ukrainische Regierung ist im Recht mit ihren Forderungen. Jede Unterstützung der Ukraine und der ukrainischen Forderungen ist nicht nur moralisch geboten sondern auch in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht. Es wäre auch schlicht ein Akt der Gerechtigkeit, den Aggressor angemessen zu bestrafen.
Leider spielt das alles in der Realtät des Kriegsverlaufs in der Ukraine keine Rolle. Die Ukraine verliert jeden Tag ein bisschen mehr an Territorium. Die Waffenlieferungen und die finanzielle Unterstützung an die Ukraine sowie der Sanktionsdruck gegen Russland, haben an dieser Realität bis heute nichts geändert.
Die Unterstützer der Ukraine, inkl. der USA, waren in den letzten drei Jahren unfähig, das internationale Recht durchzusetzen und die russische Regierung zu zwingen, ihr kriminelles und unmoralisches Handeln einzustellen.
Die Ukraine war im Verlauf der letzten zwei Jahre nicht einmal auch nur annähernd in einer „Position der Stärke“ und selbst wenn die USA ihre Untersützung verstärken würden, wird sie nicht in eine „Position der Stärke“ kommen.
Mein Eindruck von der Koalition der Willigen ist, dass diese die Relität komplett ausblenden.
Die Behauptung, dass Putin ja gar keinen Frieden will, ist komplett falsch. Auch die Behauptung, dass man der russischen Regierung nicht trauen kann ist zumindest eine böse Unterstellung. Natürlich will auch Putin den Krieg beenden, aber natürlich zu seinen Bedingungen. Das die Koalition der Willigen den Krieg nicht zu Putins Bedingungen beenden will, das ist nicht Putins Problem, sondern das Problem der Koalition der Willigen.
Die von Herrn Scholz genutzte Formulierung ist einfach Teil des politischen Blame-Game.
Das die USA, als potentester Unterstützer der Ukraine, sich unter Trump aus der Beteiligung an diesem Konflikt zurückziehen und bereit sind, den Krieg zu Putins Bedingungen zu beenden, macht die Position der Koalition der Willigen komplett unhaltbar.
Die „westliche Wertegemeinschaft“ also die demokratischen Rechtsstaaten waren in der Repräsentation der Weltbevökerung schon immer in der Minderheit. Die UN Menschenrechtscharta konnte nur Realität werden, weil Vertreter der westlichen Staatengemeinschaft damals noch über die nötige Macht verfügten, diese in der UN durchzusetzen.
Aber bis heute stellen Werte, wie Rechtsstaatlichkeit, die Menschenrechte oder gar Pressefreiheit, in der Mehrheit der Mitgliedsstaaten der UN keinen besonderen Wert dar.
Der Anspruch auf eine führende Rolle in der Welt hatte nur so lange eine gewisse Berechtigung, wie die Mitglieder dieses exklusiven Clubs alle anderen Staaten wirtschaftlich, technisch und militärisch dominieren konnten.
Frankreich, Großbritannien und zeitweise Deutschland waren mal europäische Großmächte mit weltweitem Einfluss. Für uns Deutsche war das Thema ja nach WkII schlagartig durch. Aber für unsere britischen und französischen Freunde war es ein langsamer Niedergang.
Eine zunehmende Zahl von Staaten, früher Schwellenländer genannt, haben zu uns aufgeschlossen. Und wir, EU-ropäer, haben es ihnen leicht gemacht. Auch dadurch, dass wir diese Staaten wirtschaftlich gestärkt und unsere militärische Stärke abgebaut haben.
Heute spielt es keine Rolle mehr, im Recht zu sein oder moralisch richtig zu handeln. Jedenfalls nicht, wenn man nicht auch über die Mittel verfügt, die Durchsetzung des Rechts, zu erzwingen.
Die Ukraine ist das Opfer eines brutalen Angriffs. Sie hat in jeder Hinsicht Anspruch auf einen „gerechten Frieden“. Aber den wird sie nicht bekommen. Einfach deshalb, weil ihr Anspruch in einer Welt, in der wieder das Recht des Stärkeren gilt, nichts wert ist.
Aber vielleicht holt ja irgendwer mal die Vertreter der „Koalition der Willigen“ von ihrem Ponyhof ab und bringt sie in die Wirklichkeit zurück.
@PapierSchwab
„ Ich fänds ja immernoch ein Husarenstück wenn wir einfach alles was wir in Europa haben zusammenkratzen für 2 Jahre in die Ukraine stellen und sobald US Rohstoffkonzerne ein paar 100 Mio. Dollar in die Infrastruktur ihrer Förderanlagen gesteckt haben – sagen Ciao Kakao, wir haben hier keine Interessen mehr. Ich glaube so eine schnelle Kontingentsablösung von europäischen durch amerikanischen Truppen hat es in der Geschichte noch nicht gegeben ;)“
Ich war kürzlich auf einer Konferenz, auf der auch Rohstoff-Experten gesprochen haben. Diese ganzen Ideen zu Rohstoffvermögen in der Ukraine sind weitgehend Illusion oder potempkinsche Dörfer. Die sind überschätzt, meist nicht erschlossen und auch nicht absehbar erschliessbar – und liegen inzwischen außerdem zu gutem Teil auf russisch besetztem Gebiet.
Die angeblichen Rohstoff Deals der Trump Administration sind doch nur innenpolitisch motivierte Ablenkungsmanöver, um der eigenen Wählerschaft vorzugaukeln, wie man eine Ukraine Unterstützung unmoralisch begründen kann. Welche Rohstoffe soll es denn in der Ukraine geben, die nicht auf dem nordamerikanischen Kontinent abgebaut werden können? Noch dazu mit weniger wirtschaftlichen und politischen Risiken.
Bezüglich wirtschaftlicher Interessen (insbesondere Rohstoffe) sollte man sich in Deutschland auch nicht auf ein zu hohes moralisches Ross setzen und von dort auf den „bösen Ami“ zeigen: Vom Jahr 2000 bis zum Februar 2022 war die deutsche Russlandpolitik weitgehend von wirtschaftlichen Erwägungen geprägt. Selbst als in der Ukraine schon im Jahr 2014 Krieg herrschte, wurden weiterhin Rohstoffdeals mit einem offensichtlichen Verbrecherstaat abgeschlossen. Das kann man gut in „Sonderzug nach Moskau“ von Scianna (Uni Potsdam) nachlesen.
Die Trump’schen Rohstoffdeals, genau so wie die irrlichternen Friedensdeals, die aktuell als „Sau durchs Dorf getrieben werden“, werden beide verpuffen. Getreu nach dem Motto „Flood the zone with shit“ werden wir uns in einer Woche nicht mehr an die Deals der letzten Woche erinnern können.
Da bin ich doch unseren französischen und britischen Kontinentalpartnern dankbar, dass hier mal wenigstens etwas Verhandlungsmasse gegenüber Russland (und der USA) aufgebaut wird. Etwas Ambiguität kann strategisch ja wohl nur sinnvoll sein.
@Schlammstapfer
Bewusst nicht als Anmerkung, sondern diesmal als Kommentar von mir: Ihnen war entgangen, dass Russland den Angriffskrieg in drei Tagen durchziehen wollte, jetzt aber seit drei Jahren damit zu tun hat? So zu tun, als sei Russland halt unbezwingbar, ist natürlich eine Meinung, die man haben kann. Klingt so’n bisschen wie J.D. Vance als Evil Pipi Langstrumpf.
@T. Wiegold
Ein Zitat aus einen Artikel vor zwei Tagen in Foreign Policy:
“More recently, Polish Prime Minister Donald Tusk said, “Right now, 500 million Europeans are begging 300 million Americans for protection from 140 million Russians who have been unable to overcome 50 million Ukrainians for three years.””
Schlammstapfer sagt: 28.03.2025 um 20:31 Uhr
„Leider spielt das alles in der Realtät des Kriegsverlaufs in der Ukraine keine Rolle. Die Ukraine verliert jeden Tag ein bisschen mehr an Territorium. Die Waffenlieferungen und die finanzielle Unterstützung an die Ukraine sowie der Sanktionsdruck gegen Russland, haben an dieser Realität bis heute nichts geändert.“
Das Ukraine fortwährend verliert ist faktisch weitgehend falsch, und, sorry, ein russisches Desinformation-Narrativ, das Defätismus und Entmutigung erzeugen soll, und Sie sind der russischen Propaganda unwissentlich auf dem Leim gegangen. Warum?
Die Ukraine hat 800000 Soldaten, teilweise westliche Technik, und z.B.. 2 sehr erfolgreiche Offensiven (Charkiev und Cherson) und 1 anfangs erfolgreiche Offensive (Kursk) durchgeführt. Die russische Schwarzmeerflotte hat ein Drittel ihrer Schiffe verloren, ist aus dem Schwarzen Meer vertrieben und versteckt sich, und die Ukraine hat auf diese Weise die Durchfahrt zum Bosporus freigekämpft. Die Russen sind jetzt in Donbas wie auch in Charkiev weitgehend zum Stehen gekommen, und verlieren aufgrund der Ukrainischen Drohnen für wenige 100 Meter Vormarsch Menschen und Material im industriellen Maßstab. Die Depos mit sowjetischen Panzern, Schützenpanzern und gepanzerten Mannschaftstransportern sind jetzt überwiegend derart geleert, dass die Russen mit Kleinbussen, PKWs, Motorrädern, Fahrrädern und E-Scootern angreifen.
Dieser Krieg ist ein Abnutzungskrieg. Wenn Europa mit seiner Wirtschaftskraft, die der russischen weit überlegen ist, die Ukraine ernsthaft unterstützt, dann gewinnt die Ukraine den Abnutzungskrieg. Der Trick ist, die Ukrainische Rüstungsproduktion zu unterstützen, so wie es z.B. Dänemark tut. Nur ein Beispiel: Die Ukraine produziert bereits 40 (!) Selbstfahrhaubitzen 155 „Bogdana“ pro Monat, mehr als jedes andere europäische Land. Wenn wir die Ukraine gr0ßzügig Unterstützen, dann wird Russland zum Stehen gebracht. Und erst dann wird Russland einlenken und Kompromisse machen.
@Christian B.
“Das Ukraine fortwährend verliert ist faktisch weitgehend falsch, und, sorry, ein russisches Desinformation-Narrativ, das Defätismus und Entmutigung erzeugen soll,”
“Wenn wir die Ukraine gr0ßzügig Unterstützen, dann wird Russland zum Stehen gebracht.”
Es scheint mir, dass sich Ihre beiden Aussagen – aus dem gleich Post – diametral widersprechen.
@Christian B. / @Schlammstapfer
Die gesamtstrategische Lage ist seit dem Sommer 2022 weitgehend unverändert stabil.
RUS Geländegewinne bewegen sich im taktischen Bereich, auch die weitgehende Bereinigung der UKR Kursker Geländegewinne ist nicht mal ein operativer Erfolg. Dies ist seit Monaten auch der einzige nennenswerte Vormarsch, mit nordkoreanischer Hilfe, die Fronten im zentralen Bereich des Ostens sowie im Süden halten.
Der Nymbus einer siegreichen RUS Armee konnte sich nirgends einstellen.
@Christian B. sagt:
29.03.2025 um 0:35 Uhr
Tut Europa aber seit 3 Jahren nicht und wird es auch zukünftig nicht tun… leider, aber so ist die Real-Politik.
Siehe was am Ende von den, wieder einmal, vollmundigen Ankündigungen von Frau Kallas übrig geblieben ist…
In Brüssel wird gern und viel geredet… es mangelt aber am konkreten und wirksamen (!!!) Handeln…
Oder das EU-Staaten nach 3 Jahren Krieg immernoch z.T. mehr Gas aus Russland importieren als vor dem Krieg:
Top 10 2024 , in Mrd m3, Quelle: ZDF.de
Italien 6,2
Ungarn 5,68
Frankreich 5,38
Spanien 4,9
Österreich 4,76
Slowakei 3,67
Belgien 3,08
Tschechien 2,95
Deutschland 2,21
Bulgarien 1,65
Polen 1,3
Wir sehen also z.B. an Herrn Macron…
Sich aktuell als den großen Retter der UKR zusammen mit GB aufspielen…
Aber seit 3 Jahren reichlich die Kriegskasse Putins füllen…
Und Frankreich wird dies auch weiterhin tun… wie DE, IT, SP,…. selbst Polen…
Schlammstapfer sagt:
War er das? Ich glaube bisher hat man nichts verloren, was Moskau irgendwie kümmern würde.
Wenn man mit dem Einsatz auch den Rest der ehenaligen SU erobern kann, wird das wohl ein guter Deal sein.
@Felix2
Das Ziel der EU war, bis 2027 kein Gas mehr aus Russland zu importieren.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/eu-gasimporte-100.html
Leider sind aktuell die alternativen Quellen deutlich unsicherer geworden UND die Bürger und die Industrie haben leider aus den letzten Jahren nicht gelernt und sind beim Gasverbrauch nicht gerade sparsam.
Einen großen Teil unserer Abhängigkeit könnte man durch eine schnellere Energiewende vermeiden. Aber der Deutsche kauft nach wie vor Gasheizungen, kauft Verbrenner und investiert lieber in diverse Urlaubsreisen pro Jahr, anstatt in eine eigene PV-Anlage.
Ich kann bei soviel Dummheit nur noch den Kopf schütteln.
Abhängigkeit vermeidet man nicht durch die Lieferung durch andere Staaten, sondern durch eine Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe.
@Heroiam_slava (29. März 2025)
„Britain and France will send military groups to Ukraine.
The troops will arrive next week to prepare a plan to support Ukraine’s armed forces. The decision was the result of a summit in Paris, where further steps were determined in confronting Russian aggression, French President Emmanuel Macron said.
…
Following the summit in Paris, where they discussed strengthening the Ukrainian army, the French president said that a European „deterrence force“ would operate in Ukraine, covering several areas. They would not be deployed on the front line“.
Reconnaissance oder fact finding team oder Erkundung.
Ein richtiger Schritt zur Herausbildung von Handlungsoptionen; sofern europäische Führung zu einer Entschlussfassung kommt, die eine Truppenstationierung vorsieht, muss die militärische Führung ausgearbeitete Pläne anbieten können.
Stefanie Dr. Babst @DrBabst, „former NATO Deputy Assistant Secretary General“
weist im Zusammenhang auf die Vermeidung des Begriffs „Friedenstruppe“ hin, wie hier bei AG auch bereits erörtert wurde. Sie bezeichnet die Truppe als „reassurance force“. Aus Paris heißt es dazu „to create a support force to provide a second line of defense in Ukraine …“
Erforderlich wäre eine deutsche Beteiligung zur Wahrung eigener politischer und militärischer Interessen. Ohne Teilhabe in einer Erkundungstruppe wird ein deutsches Kontingent, an dem wir nicht vorbeikommen, vor vollendete Tatsachen gestellt werden.
@ Felix2 (29.03.2025, 9:45 Uhr).
Etwas OT. Was haben unser Verbündeter und guter Freund Macron noch 2020/2021 gegen den deutschen Gasbezug über NS2 gewettert. „Wohlklingende“ Begründungen wie einseitige Abhängigkeit, Finanzierung des russ. Autokraten usw. wurden gebracht.
Alles Unfug. Knallharte französische Wirtschafts- und Energiepolitik. Wenn die europäischen Staaten weiterhin das nationale Interesse über das Gemeinwohl stellen, dann wird das weiterhin nix mit einer gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik.
Ich hoffe nur das unsere neue Bundesregierung ganz schnell klarstellt das nicht ein einziger deutscher Soldat in die Ukraine geschickt wird.
Als erstes sollen dann die Wehrpflichtigen jungen Ukrainischen Männer zurückgeschickt werden. Frauen , Kinder und alte Leute müssen auf alle Fälle weiter unter unserem Schutz stehen . Deutschland leistet auch ohne Soldaten einer Friedenstruppe genug für die Ukraine. Aber selbstverständlich kann Deutschland dann ja eines seiner mobilen Feldlazarette schicken die dann eben von den Soldaten der Friedenstruppe betrieben werden. Ich spreche mich ansonsten klar für die Ukraine Hilfe aus.
@Obermaat63
Ich muss Ihnen leider widersprechen, weil ich im privaten Umfeld sehr viele direkte Kontakte zu Ukrainerin habe.
Das, was Sie vorschlagen, geisterte auch schon als Idee der hessischen Landesregierung durch die Presse.
Die meisten ukrainischen Männer von hier wären dort reines Kanonenfutter. Sie sind als Jugendliche hierher gekommen und sind jetzt gerade einmal etwas über 18 Jahre alt.
Diesen jungen Menschen haben wir jahrelang Schutz gewährt, sie zur Schule gehen lassen, hier Freundschaft schließen und sich integrieren lassen.
Viele von ihnen sind sogar bereits in deutsch-ukrainischen Beziehungen und fühlen sich in Deutschland heimischer als in der Ukraine.
Sie haben keinerlei militärische Kenntnis und vermutlich würden dort nicht einmal 1/4 überleben.
DAS ist unmenschlich. Und widerspricht somit unserem humanitären Gedankenbild.
Wenn die Männer freiwillig gehen und kämpfen möchten, ist es etwas anderes. Aber wir können sie nicht in ein Land zurückschicken, in dem ein großer Teil von ihnen sterben wird.
WIR als Europäische Union haben die Aufgabe, diesen Krieg zu beenden. Denn WIR möchten die Ukraine nach dem Krieg in unsere Gemeinschaft aufnehmen.
@ Der Realist
Wenn die hier lebenden gesunden und wehrfähigen ukrainischen Männer nicht für ihr Land kämpfen wollen, warum soll es dann irgendein anderer europäischer Soldat tun?
Warum haben “wir“ ihrer Meinung nach diesen Auftrag? Ich möchte die Ukraine nicht in die EU aufnehmen.
@KPK
„Aus Paris heißt es dazu „to create a support force to provide a second line of defense in Ukraine …“ “
Dies wäre dann allerdings eine direkte Beteiligung am Konflikt mit allen Konsequenzen. Das Konzept eines „trip wire“ ist nur valide bei Waffenstillstand oder in einer Vorkriegszeit.
@Der Realist
„Die meisten ukrainischen Männer von hier wären dort reines Kanonenfutter.“
Das trifft für die männliche Bevölkerung in der UKR ebenfalls zu. Wehrpflicht zum Fronteinsatz besteht ab 25 J., freiwillig ab 18 J. Pflicht zum Dienst an der Waffe in der UKR ist kein Asylgrund, zumindest kein Hinderungsgrund für eine Überstellung:
https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/4ars1124-bgh-kriegsdienstverweigerung-russischer-angriffskrieg-ukraine-auslieferung
wobei natürlich ein waffenloser Dienst beim Zivilschutz o.ä. sicher wünschenswert, wenn auch nicht unbedingt weniger gefährlich, wäre.
Felix2 sagt:
29.03.2025 um 9:45 Uhr
„Wenn Europa … ernsthaft unterstützt… Tut Europa aber seit 3 Jahren nicht und wird es auch zukünftig nicht tun… leider, aber so ist die Real-Politik.“
Lt. Statista gibt Norwegen z.B. 3,4% seines BIP für die Unterstützung der Ukraine, Dänemark 3,3%. Das sind bereits jetzt sehr ernsthafte Unterstützungen! Und für die beiden wirtschaftlich stärksten Länder der EU; Deutschland und Frankreich, erwarte ich jeweils sehr signifikante Erhöhungen der Unterstützung.
@Der Realist
Da bin ich natürlich voll bei Ihnen. WIR als Europäische Union haben die Aufgabe, die Ukraine so zu unterstützen, dass die Ukraine die eigene territoriale Integrität gegenüber einem Aggressor verteidigen kann. WIR als Europäische Union haben die humanitäre Pflicht, ukrainische Kriegsflüchtlinge in einem Maße aufzunehmen, das über die nationalen Aufnahmekapazitäten der Ukraine hinausgeht. WIR als Europäische Union haben Kraft unseres Selbstverständnisses und unserer Geschichte auch die Pflicht, gewaltsamen Grenzverschiebungen überzeugend entgegenzutreten. ABER: Die Last des Kampfes in der Ukraine haben primär die Ukrainer zu tragen – (leider) insbesondere auch die junge wehrhafte Bevölkerung. Es steht IHNEN natürlich jederzeit frei, sich diesem Kampf anzuschließen ….. oder den Kampf friedlich zu beenden – der Friedensnobelpreis in Stockholm wäre IHNEN dann sicher…. Tatsache ist: An der Front sterben Menschen und wenn die jungen Ukrainer (auch in Deutschland) nicht für ihr Land kämpfen sollen, wer denn dann?
@ Insider
Jedes weitere Land, was Teil der EU wird, vergrößert den geografischen Raum in Europa, in dem ein Krieg mehr als unwahrscheinlich wird.
Jede EU-Erweiterung ist also ein Friedensprojekt. Und davon profitieren alle in Europa.
@ Thomas Melber
Ja, aktuell noch 25 Jahre bei der Wehrpflicht.
Die USA versuchen aber gerade, die Ukraine dazu zu bewegen, dieses Alter auf 18 Jahre zu senken.
Welches Druckmittel die USA dazu benutzen, weiss ich nicht, aber sie finden dazu diverse Artikel in der deutschsprachigen Presse von Ende 2024.
@ DerAndereRealist sagt (30.03.2025, 4:28 Uhr)
Sehr deutliche, aber sehr wahre Worte.
Also bei einigen Kommenatoren muss man sich wirklich wundern, was für Vorstellungen sie haben.
Meinetwegen kann man ja gerne die Werhpflicht wieder einführen, wobei Dienstpflicht wahrscheinlich zielführender wäre, da das „Loch“ nicht so groß ist, um alle Wehrpflichten unterzubringen. Freiwillige Verlängerer kann man ja auch gerne in Litauen einsetzen.
Nun zur Ukraine:
Ich finde nicht, dass man Wehrpflichtige dort einsetzen sollte. Das ist ein „war on choice“ und nicht LV/BV. Auch GB und F schließen dies aus. Dann stellt sich die Frage, woher die Leute kommen sollen. Also entweder man hat eine lächerlich kleine Präsenz dort oder man muss doch Wehrpflichtige dorthin schicken, was auch wiederum Jahre in Anspruch nehmen wird, da die Strukturen (Kreiswehrersatzämter etc) erst wieder aufgebaut werden müssen.
@T.Wiegold
Zitat:“Ihnen war entgangen, dass Russland den Angriffskrieg in drei Tagen durchziehen wollte, jetzt aber seit drei Jahren damit zu tun hat?“
Das ist mir nicht entgangen. Wie sagte doch ein militärischer Schlaumeier so schön: „Kein Plan überlebt den Erstkontakt mit dem Feind.“
Den Angriffskrieg in drei Tagen durchziehen zu wollen mag der Plan gewesen sein. Das Politiker mit ihren Ankündigungen daneben liegen ist mit Sicherheit auch kein russisches Monopol.
Heute können wir ja auch mit hohem Grad an Wahrscheinlichkeit sagen, woran dieser Plan gescheitert ist.
Seither hat die russische Regierung ein selbstgemachtes Problem.
Schnell gewinnen ging nicht aber gar nicht gewinnen geht auch nicht.
Wahr ist bekanntlich. was man wahrnimmt. Unter dem Druck jener westlichen Staaten, die, in der russischen Wahrnehmung, keine Gelegenheit ausgelassen haben, die russische Regierung zu marginalisieren („Regionalmacht“ und so) und deren Interessen zu ignorieren, einzuknicken, das wäre für die russische Regierung eine nicht hinnehmbare Niederlage.
Also hat sie den Krieg fortgesetzt und sie wird ihn fortsetzen, bis die von Putin definierten Ziele erreicht sind bzw. sie das Erreichte gegenüber der eigenen Bevölkerung als Sieg verkaufen kann.
Die russische Regierung hat, wie Sie so richtig sagen, seit drei Jahren mit diesem Krieg zu tun. Und dieser Krieg wird von Jahr zu Jahr teuerer. Vor allem, seit die ukrainische Armee mit Erfolg die russische Energieinfrastruktur angreift.
Jo Bidens Plan, die russische Armee bluten zu lassen und Russland dadurch zu schwächen, war vor allem in der Anfangsphase des Kriegs sehr erfolgreich, weil es der russische Armee sehr schwer fiel, sich von ihren veralteten Doktrinen zu trennen. Auch wenn die russische Regierung so tut, als würde sie die eigenen Verluste nicht weiter stören, aber in der Bevölkerungsentwicklung Russlands hat dieser Krieg schon eine bemerkbare Delle hinterlassen.
Kriege entwickeln ihre eigene Dynamik und Kriege waren auch schon immer Beschleuniger für technische Innovationen. Das war beim ersten und beim zweiten Weltkrieg so und das ist bei diesem Krieg nicht anders.
Dieser Krieg begann für die Russen mit dem was sie „im Lager“ hatten und auf der Basis von Doktrinen, die praktisch seit der Zeit der Sowjetunion Bestand gehabt hatten. Zwar gab es eine Reform der Streitkräfte aber deren Wirkung blieb ungetestet. Erst der Überfall auf die Ukraine offenbarte die Schwachstellen in den ergriffenen Maßnahmen. Die russischen Soldaten haben für diese Fehler einen hohen Preis bezahlt.
Seit dieser Anfangsphase hat die russische Armee eine bemerkenswerte Innovationsfähigkeit bewiesen. Vor allem seit Putin seinen Verteidigungsminister ausgetauscht hat und in der Armee reihenweise Offiziere ausgetauscht wurden.
Aber obwohl die russische Armee die Zahl der in der Ukraine eingesetzten Truppen praktisch vervielfacht hat, sich für die Rückeroberung der Kursk-Oblast mit nordkoreanischen Truppen verstärkt hatte, ihre Versorgung mit Munition mit Lieferungen aus dem Iran und Nordkorea sicherer gemacht hat und technisch deutlich moderner geworden ist (Drohnen, Gleitbomben, elektronische Kriegführung, Echtzeit-Gefechtsfeldaufklärung usw.), geht der Krieg, was Geländegewinne anbetrifft, nur schleppend voran.
Das hängt natürlich auch damit zusammen, das die ukrainische Armee nicht minder innovativ ist. Angriffe der russischen Armee werden mit Schwärmen von Spielzeugdrohnen gestoppt und Dutzende von vergleichsweise simplen Drohnen dringen Nacht für Nacht in den russischen Luftraum ein und greifen Ziele Hunderte von Kilometern tief im russischen Hinterland an. Ich finde die Unfähigkeit der russischen Luftwaffe in diesem Fall besonders bemerkenswert.
Zitat:“So zu tun, als sei Russland halt unbezwingbar, ist natürlich eine Meinung, die man haben kann.“
So eine Meinung kann man haben. Meine Meinung ist das nicht. Die russische Armee ist sicher nicht „unbezwingbar“. Sie ist einfach nur stärker als die ukrainische Armee. Das war schon so, als die US-Amerikaner noch klar auf der Unterstützerseite der Ukraine waren und das ist sie jetzt nur noch deutlicher.
In diesem Abnutzungskrieg hat die russische Armee die Oberhand. Einfach deshalb, weil der ukrainischen Armee die Soldaten schneller ausgehen als der russischen Armee. Die Geländegewinne der Russen mögen, angesichts der Fläche der Ukraine, marginal aussehen, aber sie sind für die ukrainische Armee nicht rückholbar. Noch weniger rückholbar sind die ukrainischen Soldaten, die in diesen Gefechten fallen.
Egal mit wieviel Geld wir die Ukraine noch unterstützen und egal wieviel Waffen und Munition wir noch in die Ukraine schicken werden, ohne Soldaten, die diese Waffen einsetzen können ist das einfach sinnlos.
@KPK
Zitat:“Die gesamtstrategische Lage ist seit dem Sommer 2022 weitgehend unverändert stabil. RUS Geländegewinne bewegen sich im taktischen Bereich, auch die weitgehende Bereinigung der UKR Kursker Geländegewinne ist nicht mal ein operativer Erfolg.“
Bei einem Abnutzungskrieg ist nicht der Umfang der Geländegewinne entscheidend sondern der Umfang der Verluste, die man dem Gegner zufügen kann. Die ukrainische Armee hat ihre besten Truppen mit qualitativ hochwertigen Gefechtsfahrzeugen aus dem Westen für den Angriff auf die Kursk Oblast eingesetzt. Und sie hat viele dieser Soldaten und ihrer Fahrzeuge dort verloren.
Zitat:“Dies ist seit Monaten auch der einzige nennenswerte Vormarsch, mit nordkoreanischer Hilfe, die Fronten im zentralen Bereich des Ostens sowie im Süden halten.“
Sie haben Recht, was die letzen drei Monate betrifft. Allerdings war das Wetter am Anfang diesen Jahres auch nicht besonders zur Kriegführung geeignet. Die Schlammperiode hatte zwischenzeitig zugeschlagen. Was die aktuelle Lage anbetrifft, schauen Sie doch einfach nochmal genau nach. Suriyak oder Deep State Maps vermitteln ein anderes Bild.
@Christian B.
Zitat:“Dieser Krieg ist ein Abnutzungskrieg. “
Richtig. Nahezu alles was auf der ukrainische Seite abgenutzt wird, kann man ersetzen. Nur nicht die getöteten ukrainischen Soldaten.
Gar keine Frage, dass die Ukraine auch Erfolge erzielt hat. Der Rückzug der russischen Marine hilft der Ukraine aber nur begrenzt, Was nützt es, wenn Schiffe die ukrainischen Häfen anlaufen können, wenn die russische Armee die Hafeninfrastruktur mit Raketen zerstört?
@Schlammstapfer
„Die gesamtstrategische Lage“ benannte ich. Ob die Pers/MatLage wohl Teil davon ist?
@ Der Realist (30.03.2025, 12:46 Uhr)
„…vergrößert den geografischen Raum in Europa, in dem ein Krieg mehr als unwahrscheinlich wird.
Jede EU-Erweiterung ist also ein Friedensprojekt. ….“
Der Logik folgend, müssten die Türkei, Serbien, Kosovo, Russland… ganz schnell in die EU aufgenommen werden.
Ein gewagter Ansatz.
@ORR
Nein, da liegen Sie falsch, was die Geographie angeht.
Russland und Türkei liegen beide nur zu einem sehr kleinen Teil in Europa. Der Hauptteil beider Länder liegt in Asien.
Serbien und Kosovo genau wie die Ukraine liegen in Europa.
Deswegen: Russland und Türkei Nein, Kosovo und Serbien Ja.
@ Insider (29.03.2025 um 22:02 Uhr)
„Wenn die hier lebenden gesunden und wehrfähigen ukrainischen Männer nicht für ihr Land kämpfen wollen, warum soll es dann irgendein anderer europäischer Soldat tun?
Warum haben “wir“ ihrer Meinung nach diesen Auftrag?“
Gegenfrage: warum waren französische, britische und amerikanische Soldaten jahrzehntelang in Westdeutschland stationiert? Obwohl es doch gesunde und wehrfähige deutsche Männer gab die nicht für ihr Land kämpfen wollten.
Vielleicht weil man die Deutschen (auch zum eigenen Nutzen) unterstützen wollte bei der Verteidigung gegen die Staaten des Warschauer Vertrag?
@ Der Realist (31.03.2025, 14:18 Uhr):
„…Deswegen: Russland und Türkei Nein, Kosovo und Serbien Ja.“
Und folgerichtig abgeleitet auch Belarus. Gewagt.
Ich denke die EU ist nicht nur eine Wirtschaftsgemeinschaft, sondern auch eine Gemeinschaft der Werte und Ziele.
@ORR: Der Blick nach Budapest lässt einem da das Lächeln im Gesicht gefrieren. Man muss sich davon trennen, dass Werte in jedem Fall wirtschaftliche Abhängigkeiten übersteuern. Nicht jede europäische Bevölkerung macht das mit, vor allem dann nicht, wenn die „Ordre de Mufti“ mit Berliner Luft angehaucht ist.
Es handelt sich bei der EU eben immer noch um ein Konglomerat aus nationalen Partikularinteressen und jeder Politiker, der in Brüssel Zusagen macht, hat neben seiner europäischen immer auch eine innenpolitische Agenda, weil nicht immer das, was gut für Europas Machtoptionen ist, auch gut fürs eigene Land sein muss.
Das ist kein Plädoyer für die Orbáns, im Gegenteil. Aber das Erstarken der rechten Parteien, die in den westlichen Demokratien die Politik vor sich hertreiben hat auch ein Bisschen was mit russischer Unterstützung für diese Zauberlehrlinge zu tun. Divide et impera…
@ ORR
Belarus wird früher oder später mit Russland zusammengehen, die werden niemals ein Teil der EU.
Die EU ist auf dem Weg, eine Gemeinschaft gleicher Ziele und Werte zu werden. Am Ziel ist sie noch lange nicht, wie der Blick nach Ungarn zeigt.
Für mich ist die EU aber auch Garant für Frieden in Europa und somit auch eine Verteidigungsunion, wie ja auch in der EU-Verfassung beschrieben.